Dr. Marc Wellmann, Kurator

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Dr. Marc Wellmann, Kurator

Als ich Kind war in West-Berlin, war der Teufelsberg von einem weißen Schloss bekrönt, in dem die Ritter wohnten. Das Schloss verwandelte sich später unter dem Einfluss der “Star Wars”-Saga in eine Raumstation. Und als ich langsam begriff, in welcher Welt wir lebten, wurde die NSA-Abhörstation zum weithin sichtbaren Herrschaftssymbol der amerikanischen Besatzung. Man muss dazu aber auch wissen, dass Berlins höchste Erderhebung (120 Meter!) ein Trümmerberg ist, der auf dem Rohbau einer von Albert Speer geplanten Wehrtechnischen Fakultät aufgeschüttet wurde. An diesem Ort sind die Hybris des Nationalsozialismus, das Inferno des Zweiten Weltkriegs und die weltpolitischen Spannungen des Kalten Krieges gleichsam materiell miteinander verbunden.

Nach der Wiedervereinigung verlor die Station im Rahmen des Spionagenetzwerkes Echelon ihren militärischen Nutzen und diente durch den Einbau neuer Radargeräte bis 1999 zur Überwachung des zivilen Luftraums. Wegen Planungsfehlern und Rechtsstreitigkeiten ist das Gelände nun als einer der letzten quasi-anarchischen Freiräume der Stadt zu erleben. Zusammen mit dem benachbarten Drachenberg, von dem aus ein ebenso spektakulärer Blick auf die Berliner Skyline möglich ist, erinnert er mich auch an fast fünf schöne Jahre, die ich im nahe gelegenen Georg-Kolbe-Museum gearbeitet habe.

marcwellmann.de

photo taken at Teufelsberg, April 2016

© petrov ahner

Martin Fuge, Lehrer

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Martin Fuge, Lehrer

Einer meiner Lieblingsmomente in Berlin: Kants Ampel am Heinrichsplatz

Zur Abschlusskundgebung des Kreuzberger CSDs, der in den letzten Jahren zumeist transgenialer genannt wird, ist der Heinrichplatz für den Straßenverkehr abgesperrt. Nichtsdestotrotz bleibt die Ampel eingeschaltet. Und während wir uns in revolutionären Reden üben, patriarchatskritischen Showeinlagen zuschauen, Flüchtlinge willkommen heißen und alles in allem überzeugt davon sind, dass eine queere Welt eine bessere Welt wäre, gemahnt uns die Ampel gleichsam in preußisch-kantianischer Pflichterfüllung, die vor sinnfreien Aufgaben nicht zurückschreckt, daran, dass leider morgen oder spätestens übermorgen wieder der ganz normale Wahnsinn einer heteronormativ strukturierten Welt auf uns losgelassen wird – und uns zu einem Teil ihrer selbst macht.

Stur und ohne Wankelmut geht die Ampel ihrer Aufgabe nach und wechselt von rot nach grün und wieder zurück, so wie auch wir (zumindest viele von uns, jedenfalls ich) morgen wieder zum Rädchen im kapitalistisch-patriarchalischen Getriebe werden, zu Opfern und Täter_innen einer – jedenfalls in ihrer derzeit praktizierten Form – Ausbeutungs- und Missbrauchsmaschinerie, einer strukturellen Sünde, in die wir alle verstrickt sind. Aber wenigstens an diesem Samstag abend hatten wir ein bisschen die Vision einer besseren Welt. Anders als Kants Ampel.

photo taken at Heinrichplatz, March 2016

© petrov ahner

Lars Dreiucker, Philosoph & Kurator *1983

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Lars Dreiucker, Philosoph & Kurator *1983

“Im Winter wenn die Seen zufrieren
schlägt die Stunde des Ausländers
sein Platz, wenn das Eis
zum ersten Mal begangen wird,
ist an der Spitz
der Expedition.

Das Gros folgt mit respektvollem Abstand
Der Ausländer weiß, dass der Respekt nicht ihm gilt
sondern der Gefahr,
aber er spielt die Rolle des Sklaven,
Der nicht gezählt wird in der Einsamkeit des
Führers.
Der Vorangeht, und sei es in den Tod.

Der Hass des Ausländers auf die
Gemeinschaft
Die ihn ausschließt
Ist grenzenlos
Er mündet in dem Wunsch aufgenommen zu werden
in die gehasste
Gemeinschaft.”

Heiner Müller, transkribiert aus: DER AUSLÄNDER (1987/2004) von Thomas Heise,
Dokumentarfilm

larsdreiucker.de

photo taken at Tegler See, Jan 2016

© petrov ahner

 

Evdoxia Karachaliou, Schauspieleragentin & Inhaberin Agentur Actors and Faces*

Evdoxia

Evdoxia Karachaliou, Schauspieleragentin & Inhaberin Agentur Actors and Faces*

” …You got to feel Berlin…!“
the 69 Eyes

Das ist die Essenz.

Zuhause angekommen, nach Jahren der Suche.
Aufgenommen und willkommen in der grossen Stadt.
Alle Möglichkeiten zur Entfaltung sind offen.
Anonymität und Herzlichkeit.
Kultur und wildes Leben.
Einfach nur SEIN können.

Lets rock it!

actorsandfaces.de

photo taken at Kollektivbar ES, Neukölln,  Dec 2015

© petrov ahner

Peter Zach, Dokumentarist

Peter Zach, Dokumentarist

Peter Zach, Dokumentarist

Der Augenblick eines Bildes erzählt uns auch seine Entstehungsgeschichte.
Wie kam der Fotograf an diesen Ort?
Wer hat den Raum leer geräumt, eine Palette hingelegt und das Licht angeknipst,
wer hat es ermöglicht diesen Zeitpunkt zu fotografieren?
Der Moment der Aufnahme ist die Entscheidung der Geschichte;
einer Berliner Geschichte.

sehnsuchtberlin-derfilm.de

Photo taken at Akademie der Künste, Tiergarten, July 2015

© petrov ahner