Spunk Seipel, Künstler

Spunk Seipel-Künstler

Spunk Seipel, Künstler

Berlin, das ist eine Projektionsfläche.

Seit über 20 Jahren lebe ich hier und das gute an dieser Stadt ist, dass sie sich ständig wandelt. Dass sie bislang immer genug Freiräume ermöglicht, um Alternativen zu dem zu finden, was einen in dieser Stadt, in diesem Land ankotzt. Jeder Versuch, woanders zu leben, musste so scheitern. Berlin, hat die Stadt eine eigene Substanz? Eigentlich kommt hier alles von Außen. Von Leuten, die hierher ziehen, um ihre Ideen so realisieren zu können, wie sonst an nur wenigen Orten. Und jede Generation definiert diese Stadt für sich neu und vergisst das, was vorher war. Manche finden dieses mangelnde Geschichtsbewußtsein schade. Dabei ist es doch gerade das, was die Stadt so flexibel und spannend macht, weil keine alten Strukturen Neues verhindern.

Fast alle, die zu viele Erwartungen an Berlin hatten, sind an diese Stadt gescheitert. Das ist das angenehme, dass hier das Scheitern Normalität darstellt, auch wenn sich das im Moment ändert. Erfolg tut der Stadt nicht besonders gut. Aber noch gibt es genug Nischen, in denen man sein eigenes Süppchen kochen kann.Und wie die 40 jährigen vor zwanzig Jahren, die jammerten, das alles schlechter wird und die ganzen Neuberliner eine absolute Zumutung wären, sitze ich jetzt mit meinen Freunden zusammen und wir jammern, dass früher alles so viel spannender, aufregender, innovativer, ja einfach geiler war in dieser Stadt. Weil Berlin zwischen Mauerstadt und Mauerfall eben ganz andere Projektionsfläche für uns war, als sie es heute sein kann.

friedrichshainerschule.de

photo taken at Sofia Bar, Kreuzberg, Nov 2012

© petrov ahner